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Im Osten viel Neues: Die Lage der Draht-, Kabel- und drahtverarbeitenden Industrie in Europa

Deutlich sichtbar in Form von Freileitungen, Büroklammern und Wäscheklammerfedern, oder vor dem bloßen Auge eher verborgen in Form von Polsterfedern, Aufzugsseilen und Kugellagerkugeln – Draht und die daraus hergestellten Produkte sind überall im täglichen Leben anzutreffen und erfüllen eine wichtige Funktion. Ihre Hersteller bilden eine für jede Volkswirtschaft wichtige Industrie. Um wettbewerbsfähig zu bleiben,  müssen sie zeitgemäße Fertigungseinrichtungen einsetzen. Einen Überblick über die Vielfalt der Draht- und Kabelmaschinentechnik und die Tendenzen der Draht-, Kabel- und drahtverarbeitenden Industrie vermittelt die internationale Branchen-Leitmesse wire 2006, die vom 24. bis zum 28. April 2006 in Düsseldorf abgehalten wird.

Märkte
Die Herstellung und Verarbeitung von Draht hat in Europa eine lange Tradition. Zahlreiche Unternehmen sind hier ansässig, beispielsweise in Deutschland allein etwa 200 zumeist mittelständische Betriebe mit 30 bis 100 Beschäftigten, die technische Federn herstellen und damit einen Gesamtumsatz von etwa 1,4 Mrd € erzielen. Interessant ist die Frage, welche Bedeutung Europa auch in Zukunft für die Draht-, Kabel- und drahtverarbeitende Industrie und deren Zulieferer, die Hersteller von Draht- und Kabelmaschinen, hat?

Westeuropa
In den Ländern der Europäischen Union (EU) vor ihrer Erweiterung im Jahr 2004 müssen die Betriebe mit einem hohen Kostendruck fertig werden. Nach Ansicht von Dr. Kurt Eder, Vize-Präsident des Fachverbandes International Wire and Cable Exhibitors Association IWCEA, ist hier mit größeren Projekten nicht zu rechnen, allenfalls werden veraltete Maschinen ausgetauscht, und das oft auch nur durch gebrauchte. Dr. Eder leitet die Eder Engineering GmbH, Wien, die als "global player" auf dem Gebiet der Ziehstein- und Ziehsteinbearbeitungstechnologie tätig ist.

Wegen des Kostendrucks verlagern viele Unternehmen einen Teil ihrer Produktion in Länder mit niedrigeren Lohnkosten, unter anderem nach Osteuropa. Heinz Rockenhäuser, Geschäftsführer der Maschinenfabrik Niehoff, Schwabach bei Nürnberg, hat festgestellt, dass sich die Kabelfertigung in Deutschland immer stärker auf Spezialkabel konzentriert, während Standardprodukte wie Draht und Litzen für weniger anspruchvolle Produkte aus Niedriglohnländern zugekauft werden.

Der Kabel- und Bordnetzhersteller Leoni AG mit Sitz in Nürnberg beschäftigt weltweit rund 30.000 Mitarbeiter, davon 90 % außerhalb Deutschlands. Im Jahr 2004 schuf das Unternehmen 8500 neue Stellen, vor allem in Osteuropa. "Nur so können wir die 3000 Stellen in Deutschland sichern", sagte der Vorstandsvorsitzende Dr.-Ing. Klaus Probst im März 2005 der Wirtschaftszeitung "Handelsblatt".

Dass die Situation für hiesige Unternehmen aber nicht hoffnungslos sein muss, zeigt ein 2005 erschienener Beitrag in der Fachzeitschrift "Draht", in dem Itaya, ein japanischer Hersteller von Federwindemaschinen, ankündigt, seine Marketing-Aktivitäten in Deutschland zu intensivieren. Shinji Nagamine, der Geschäftsführer von Itaya Europe, hebt  hervor, dass die qualitativen und quantitativen Leistungen einer guten, von einem gut ausgebildeten Einrichter betreuten Maschine nur schwer zu übertreffen sind.

Peter Schneider von der Itaya-Niederlassung in Fürth/Bayern verweist in diesem Zusammenhang auf einen Federnhersteller, der konsequent auf den Standort Deutschland setzt und dort auch Massenware fertigt. Eine  wichtige Voraussetzung dazu sind allerdings hochleistungsfähige Maschinen, die zuverlässig rund um die Uhr arbeiten können und voll ausgelastet werden.

Die Tendenz wird allerdings dahin gehen, dass Federnhersteller ihre Produktion immer stärker automatisieren müssen und mit anderen Unternehmen kooperieren müssen, um statt einzelner Federn komplette Systeme anbieten zu können, meint A.J. "Tom" Bakker, Geschäftsführer des niederländisch-deutschen Federnherstellers Bakkergroup und Präsident der Dutch Spring Association DSA. Mit eingehenderen Überlegungen  zur Zukunft der europäischen Federnindustrie befassen sich Ausätze in den Ausgaben Januar 2005 und Oktober 2005 der Federnfachzeitschrift "Springs".

Mittel- und Osteuropa
Die Länder Mittel- und Osteuropas waren jahrzehntelang von der wirtschaftlichen Entwicklung Westeuropas abgeschnitten. Die Modernisierung der Energieversorgung und des Telekommunikationswesens wie auch der Ausbau der Verkehrssysteme und der Industrie sind nur einige wenige Beispiele für Bereiche mit großem Nachholbedarf. Letztlich bringt aber der Wunsch der Bevölkerung, den Lebensstandard zu steigern, Schwung in die wirtschaftliche Entwicklung. Ein Vorreiter in diesem Zusammenhang ist die Automobilindustrie, die nach wie vor große Absatzchancen in Mittel- und Osteuropa sieht. Viele Automobilhersteller verlagern dorthin Fertigungskapazitäten und erwarten, dass ihre direkten Zulieferer, die Hersteller von kompletten Baugruppen, folgen, denen sich wiederum deren Zulieferer anschließen, zu denen typischerweise Betriebe der Draht- und drahtverarbeitenden Industrie gehören. Aber auch einheimische Unternehmen stehen vor der Aufgabe, zu investieren, um lukrative Aufträge erhalten zu können.

National Machinery, ein in Tiffin, Ohio/USA ansässiger und international aktiver Hersteller von Kaltumformpressen, ist auch in diesen Ländern aktiv. Harald Rödl, Gebietsverkaufsleiter von National Machinery Europe, Nürnberg, berichtet, dass russische Schraubenhersteller beispielsweise ihre Produktion aus den angestammten Fabriken in neu errichtete Industriegebiete verlagern, wo komplette, nach dem neuesten Stand der Technik eingerichtete Fabriken entstehen. "Die Unternehmen", so Harald Rödl, "müssen in neueste Technik investieren, um ihre Aufträge bewältigen zu können." In Russland wie auch in den anderen Staaten der GUS zeigt sich dabei, dass Unternehmen der drahtverarbeitenden Industrie möglichst aus einer Hand komplette Anlagen mitsamt dem zugehörigen Service erhalten möchten. Während National Machinery mit Partnerunternehmen zusammenarbeitet und so Maschinen für mehrere Fertigungsstufen vom Drahtziehen über das Umformen, das Walzen, Formen oder Schneiden der Gewinde bis bis hin zur komplexen spanenden Nachbearbeitung der fertigen Teile besorgen und liefern kann, hat sich die Maschinenfabrik Niehoff zu einem Technologieunternehmen entwickelt, das mit Ausnahme von Extrudern praktisch alle Maschinen und Anlagen aus einer Hand liefern kann, die zur Herstellung von Draht aus Nichteisenmetallen wie auch zur Herstellung von Daten- und Spezialkabeln benötigt werden. Das Unternehmen richtet auch komplette Fabriken ein und übergibt sie schlüsselfertig, wie vor einigen Jahren in Polen.

Russland
Welche wirtschaftliche Bedeutung ausländische Märkte für die Hersteller von Maschinen und Anlagen für die Drahtindustrie haben, lässt ein Blick auf die Website der Firma Le Four Industriel Belge (FIB), Brüssel, erkennen: Sie ist in den Sprachen Englisch,  Russisch und Chinesisch verfasst. René Branders, Geschäftsführer des Herstellers von Wärme- und Oberflächenbehandlungsanlagen für Stahldraht, sieht in Russland mit seinen über 144 Mio Einwohnern, von denen mehr als 105 Mio in Städten leben, und der Ukraine einen riesigen Markt.

"Für Russland ist die Modernisierung der Produktionsanlagen das Gebot der Stunde",  sagte Dr. Horst Birkmann, Präsident der International Wire and Cable Exhibitors Association (IWCEA) und Aufsichtsratsvorsitzender der international aktiven Maschinenfabrik WAFIOS, die unter anderem Maschinen zum Fertigen von Federn,  Biegeteilen, Schrauben, Nägeln und Ketten herstellt, unlängst der Fachzeitschrift "Draht".  In einem in der Juni-Ausgabe veröffentlichten Interview hob er hervor, dass der Inlandsmarkt nach wie vor ein großes Wachstumspotenzial hat: "Schätzungen gehen weiter von 8% aus." Siegfried Altmann, Geschäftsführer des Extruderhersteller Rosendahl, Pischelsdorf/Österreich, kann diese Aussagen bestätigen. Für ihn war vor zwei Jahren China die Lokomotive der weltwirtschaftlichen Entwicklung. Während die chinesische Regierung mittlerweile diese Entwicklung auf vernünftiges Maß eingegrenzt hat, übernahm Russland diese Funktion. Altmann erwartet, dass in den Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) eine ähnliche Entwicklung einsetzen wird: "Wir erwarten auch in den GUS-Ländern Investitionswellen, wie wir sie in den letzten Jahren in China und Russland erlebt haben."

Die wire 2006
Die Internationale Fachmesse Draht und Kabel wire 2006, die weltweit größte Fachmesse für die Draht-, Kabel- und drahtverarbeitende Industrie, ist vom 24. bis zum 28. April 2006 in Düsseldorf das Forum, auf dem sich die Entscheider der weltweiten Draht- und Kabelindustrie und ihre Zulieferer treffen. Ein Synergieeffekt ergibt sich durch die zeitlich und räumlich parallel abgehaltene Internationale Rohr- Fachmesse Tube 2006.

Pressereferat wire 2006 und Tube 2006:
Petra Hartmann-Bresgen/Janusch Krahmer                 
Tel.: 0049-211/4560-541/-996                                      
Fax: 0049-211/4560-8548 

 

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